Z51.83G – Forum Substitutionspraxis Ausgabe 3

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Z51.83G – Forum Substitutionspraxis

   Monatsrundbrief                       Ausgabe 3, 08. März 2017

Ausgabe 3, 08. März 2017


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
 
Methadonprogramme und Langzeittherapien mit anderen Opioiden sind erfolgreich. Heroinabhängige konsumieren nachweislich weniger Heroin oder Kokain und zu Therapiebeginn auch weniger Alkohol. Dennoch hat der Alkoholkonsum dieser Patienten seit den 1990-er Jahren deutlich zugenommen. Dies belegt eine Langzeituntersuchung der Psychiatrischen Universitätsklinik und der Universität Zürich, die sich auf die Behandlungsdaten von knapp 9.000 Patienten stützt, die zwischen 1998 und 2014 im Kanton Zürich substituiert wurden. Ab Therapiestart wurde nachhaltig weniger Heroin und Kokain konsumiert, heißt es in der Pressemitteilung der Universität Zürich. „Hingegen hat der Alkoholkonsum während des Untersuchungszeitraums zugenommen“, sagt Marcus Herdener, Studienleiter und Chefarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik. Gegen Ende der Studienperiode trank nahezu jeder vierte Patient (22,5%) häufig Alkohol. „Es scheint einem allgemeinen Trend zu entsprechen, dass in dieser Patientengruppe mehr Alkohol getrunken wird“, so Marcus Herdener. Da bei Opioidabhängigen auch Leberinfektionen wie Hepatitis B und C weit verbreitet sind, gefährdet der häufige Alkoholkonsum die Gesundheit dieser immer älter werdenden Patienten stark.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/verschiedenes/2318-schweiz-von-der-heroinabhaengigkeit-zum-alkoholproblem
 
Eine Münchner Autorengruppe hat  untersucht, welchen Umfang der zusätzliche Konsum von Fentanyl bei ihren Substitutionspatienten hat. Die Urine wiesen in knapp 7 Prozent positive Ergebnisse auf. Mehr als ein Drittel der Patienten gab zumindest einmaligen Fentanylkonsum an. Die höchsten Werte traten bei Methadonpatienten auf, die niedrigsten bei Diamorphinpatienten.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substanzen/opioide/2200-high-concomitant-misuse-of-fentanyl-in-subjects-on-opioid-maintenance-treatment
 
Diese Veröffentlichung, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Suchttherapie, war überfällig: Analgesie und Anästhesie bei opiatabhängigen Patienten unter Substitution mit Buprenorphin.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/buprenorphin/2311-analgesie-und-anaesthesie-bei-opiatabhaengigen-patienten-unter-substitution-mit-buprenorphin-analgesia-and-anaesthesia-in-patients-on-buprenorphine-maintenance-therapy
 
Schwitzen, Gewichtzunahme und Verlust der sexuellen Lust sind bekannte unerwünschte Wirkungen in der Opioidsubstitution. Die meisten treten bei Einnahme von D-L-Methadon auf. Die Bereitschaft, UAW bei Substitutionspatienten zu melden, scheint vergleichsweise gering ausgeprägt zu sein, heißt es in einer Studie aus Ulm, Mainz und Lübeck.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/verschiedenes/1855-drug-safety-and-adverse-drug-reaction-reporting-behavior-related-to-outpatient-opioid-replacement-therapy-results-from-a-survey-among-physicians
 
Die vorgenannten Veröffentlichungen stehen lediglich als Abstracts frei zur Verfügung. In den meisten Fällen sind die Autoren gern bereit, auf Anfrage den kompletten Text zuzusenden.
 
In weiteren Landstrichen Deutschlands wird es zum Problem, eine Substitutionsbehandlung zu finden. So in Soest (NRW): Immer weniger Suchtmediziner im Kreis.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/national/2062-soest-immer-weniger-suchtmediziner-im-kreis 
 
Und in Winnenden (Baden-Württemberg): Engpass bei Methadon-Ausgabe droht.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/national/2169-winnenden-engpass-bei-methadon-ausgabe-droht
 
Um mehr hausärztliche Praxen für die Substitutionsbehandlung zu gewinnen, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung einen Film produziert: Substitutionspraxis - Es ist eine enge Bindung. Aus der Hausarztpraxis von Dr. Astrid Weber in Koblenz
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/national/2063-koblenz-substitutionspraxis-es-ist-eine-enge-bindung-video
 
Ärger im Kreuzberger Kiez. Ganze 15 Substitutionspatienten, die sich nach der Vergabe am Bahnhof Gneisenaustraße versammeln, lösen Proteste bei der Anwohnerschaft aus: Anwohner haben genug von Methadon-Ausgabe in Berliner Familienkiez.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/national/2148-berlin-kreuzberger-gegen-drogenabhaengige-anwohner-haben-genug-von-methadon-ausgabe-in-berliner-familienkiez
 
Das spezielle Thema:
Substitution 2016: Mehr Patienten, weniger Ärzte, Methadon verliert Anteile
Auswertung der Zahlen des Substitutionsregisters und des IMS Pharmascope-Marktberichts
Der Bericht zum Substitutionsregister des BfArM vermerkt auch die prozentuale Verteilung der Substitutionsmedikamente. Die tatsächlichen Verkaufszahlen für 2016 zeichnen ein differenzierteres Bild.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/national/2332-substitution-2016-zahlen-patienten-aerzte-und-medikamente
 
Zwei Jahre nach Einführung der direkt wirkenden Hepatitis-C Medikamente treten auch schwere unerwünschte Wirkungen zu Tage: Hunderte Fälle von Leberversagen unter Therapie mit neuen Hepatitis-C-Medikamenten – Folge zu unselektiver Anwendung?, titelt ein Interview mit Prof. Dr. Chr.Sarrazin bei medscape.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/begleitkrankheiten/hepatitiden/2027-hunderte-faelle-von-leberversagen-unter-therapie-mit-neuen-hepatitis-c-medikamenten-folge-zu-unselektiver-anwendung
 
Eine internationale Gruppe von Ärzten, die gleichermaßen Experten für Substitutions- wie Hepatitis-C Behandlung sind, unter ihnen aus Deutschland Prof. Dr. M.Backmund (München), übt Kritik an den EASL-Richtlinien zur HCV-Behandlung. Sie halten die Richtlinien für zu restriktiv hinsichtlich der Gruppe der IV-Drogenkonsumenten. Eine Entgegnung findet sich auf der Verlagsseite am rechten Rand.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/begleitkrankheiten/hepatitiden/2004-contradictory-advice-for-people-who-inject-drugs-in-the-2016-easl-recommendations-on-treatment-of-hepatitis-c
 
Seit Juni 2016 herrscht auf den Philippinen Krieg gegen Drogenkonsumenten und kleine Dealer. Polizeieinheiten und Killerkommandos agieren mit Rückendeckung von Präsident Roberto Dutarte. Mehr als 7.000 Menschen sind dem Feldzug bislang zum Opfer gefallen. Internationaler Protest hat daran wenig geändert. Im Lande selbst geben nun katholische Priester und Bischöfe Zuflucht in Kirchen und Gemeindehäusern. Unter dem Suchbegriff Philippinen finden Sie eine umfassende Zusammenstellung der Ereignisse.
Drogenkrieg auf den Philippinen "In den Slums kannst Du jeden umbringen" (Ein dbate-Video von Veronika Loepp bei Spiegel TV, Februar 2017, 16:01.)
http://www.forum-substitutionspraxis.de/war-on-drugs/2341-philippinen-drogenkrieg-auf-den-philippinen-in-den-slums-kannst-du-jeden-umbringen-video
 
Zum Lesen empfohlen: Peru. The Mochileros - High stakes in the high Andes - the young backpackers risking their lives in cocaine valley – eine hervorragende aufgemachte Reportage der BBC.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/war-on-drugs/2095-peru-the-mochileros-high-stakes-in-the-high-andes-the-young-backpackers-risking-their-lives-in-cocaine-valley
 
Zum Schluss noch der Hinweis, dass vom 29. Juni bis 01. Juli 2017 in München der 18. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin stattfindet. Näheres finden Sie auf der Seite des Veranstalters: https://www.sv-veranstaltungen.de/fachbereiche/18-interdisziplinaerer-kongress-fuer-suchtmedizin/
 
Viel Spaß beim Lesen und empfehlen Sie uns weiter. Die nächste Ausgabe erscheint am zweiten Mittwoch im April, also am 12.April 2017.
 
Hans-Günter Meyer-Thompson
- Redakteur -
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