Z51.83G – Forum Substitutionspraxis Ausgabe 5

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Z51.83G – Forum Substitutionspraxis

Monatsrundbrief                       Ausgabe 5, 10. Mai 2017

Ausgabe 5, 10. Mai 2017


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
 
Ende April hat der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) die „Richtlinie ... zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung“ verabschiedet. Kurz zuvor hat der Gesundheitsausschuss des Bundesrates die 3.Verordnung zur Änderung der BtMVV (3.BtMVVAEndV) einstimmig gebilligt und dem Bundesrat zur Annahme in seiner Frühjahrssitzung am 12.Mai empfohlen. Anschließend steht dem GBA – Gemeinsamer Bundesausschuss das Recht zu, Stellung zu beziehen zu den wissenschaftlichen Inhalten der BÄK-Richtlinien. Dann wiederum muss der Vorstand der BÄK die Richtlinien endgültig beschließen. Diese müssen vom Bundesgesundheitsministerium noch akzeptiert werden, bevor dann voraussichtlich Anfang September das neue Substitutionsrecht in Kraft treten kann.
Die BÄK-Richtlinie wurde Evidenz-basiert erarbeitet von der AG "Sucht und Drogen" der BÄK. Erstmalig seit Legalisierung der Substitutionsbehandlung in Deutschland Anfang der 1990er Jahre werden „Regelungen zu Sachverhalten, die unmittelbar ärztlich-therapeutische Bewertungen betreffen, (...) aus dem Rahmen unmittelbar bundesrechtlicher Regelungen der BtMVV in die Richtlinienkompetenz der Bundesärztekammer (BÄK) überführt“, heißt es in der 3.BtMVVAEndV.
Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung (vom Vorstand der Bundesärztekammer in seiner Sitzung am 27./28. April 2017 verabschiedet).
http://www.forum-substitutionspraxis.de/richt-und-leitlinien/national/3644-richtlinie-der-bundesaerztekammer-zur-durchfuehrung-der-substitutionsgestuetzten-behandlung-vom-vorstand-der-bundesaerztekammer-in-seiner-sitzung-am-27-28-april-2017-verabschiedet
 
2012 hat die DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin eineinhalb Dutzend Vorschläge zur Änderung des Substitutionsrechts veröffentlicht. Ein ausführlicher Artikel der DGS-BtMVV-Aktivisten erklärt das neue Substitutionsrecht und beantwortet die Frage, was von den ursprünglichen Vorschlägen in der reformierten BtMVV wiederzufinden ist.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/images/Download/PDF/3.BtMVVAEndV---DGS-Vorschlaege-final.pdf
 
Drogenpolitiker in Bund und Ländern, zuständige Ministerien, suchtmedizinische Fachverbände, Therapieträger und Patientenverbände haben sich weitgehend über ein neues Substitutionsrecht verständigen können. Im letzten Moment äußerte Mitte März die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Kritik an den ausgeweiteten Take-Home-Regelungen und daran, dass die Dokumentationspflicht für Abgaben unter Sicht in Apotheken von den Ärzten auf die Apotheker übertragen wird. „Besonders missfällt der ABDA, dass keinerlei finanzieller Ausgleich für die Zusatzaufgaben vorgesehen ist“, schreibt die Deutsche Apotheker Zeitung.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/recht-gesetz/gesetze-verordnungen/3268-betaeubungsmittel-verschreibungsverordnung-apotheker-kritisieren-geplante-mischrezepte
 
Die Reform kommt einige Jahre zu spät, da in mehreren Landesteilen Patienten bereits 50 Kilometer und mehr zur nächstgelegenen Substitutionspraxis fahren müssen. Daran wird kurzfristig auch das aktualisierte Konsiliarwesen nichts ändern können. Rund ein Drittel der substituierenden Ärzteschaft wird in den kommenden fünf Jahren in Pension gehen, fast monatlich berichten Meldungen von Praxisschließungen zwischen Flensburg und Traunstein.
Nur in Neustadt an der Ostsee gibt es einen Lichtblick: Dort hat der Krankenhausträger AMEOS kürzlich eine Ambulanz eröffnet.
https://www.ameos.eu/standorte/ameos-nord/neustadt-in-holstein/ameos-klinikum-neustadt/aktuelles/show/ameos-eroeffnet-substitutionsambulanz/
 
Die Fachzeitschrift „Substance abuse“ hat eine qualitative Studie über die Stigmaerfahrungen von Methadonpatienten veröffentlicht ("Don't Judge a Book Its Cover").
http://www.forum-substitutionspraxis.de/stigma-menschenrechte/international/3624-don-t-judge-a-book-its-cover-a-qualitative-study-of-methadone-patients-experiences-of-stigma
 
In der Aprilausgabe des British Medical Journal hat eine Autorengruppe das Thema „Mortality risk during and after opioid substitution treatment“ abgehandelt.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/begleitkrankheiten/drogentod/3430-mortality-risk-during-and-after-opioid-substitution-treatment-systematic-review-and-meta-analysis-of-cohort-studies
 
Quick QTdrug Scan ist der Name einer Internetseite, auf der Pharmaka mit Auswirkung auf die QT-Zeit zu finden sind. Die Seite steht auch als App zur Verfügung.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/wechselwirkungen-mit-substitutionsmitteln/3435-quick-qtdrug-scan
 
Buprenorphin hat in einer Doppelblindstudie im New England Journal of Medicine das neonatale Abstinenz-Syndrom, das in US-Kinderkliniken zu einem häufigen Problem geworden ist, schneller gelindert als eine Standardtherapie mit Morphin, berichtet aerzteblatt.de.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/news/fachveroeffentlichungen/3642-buprenorphin-lindert-neonatales-abstinenz-syndrom-schneller
 
Erstmalig ist in den USA eine Fentanyl-Abart (acryl fentanyl) aufgetaucht, bei der Naloxon nicht mehr wirken soll im Falle von Überdosierungen.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/schadensminderung/naloxon/3514-usa-narcan-resistant-strain-of-fentanyl-hits-western-pennsylvania
 
Heroin fürs Volk - Warum immer mehr Deutsche süchtig nach Schmerzmitteln sind. Eine Visual Story von Alexander Epp und Olaf Heuser auf Spiegel online.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substanzen/opioide/3627-heroin-fuers-volk-warum-immer-mehr-deutsche-suechtig-nach-schmerzmitteln-sind
 
Schweiz/Zürich. Die Arud Zentren für Suchtmedizin, 1992 die erste Institution mit methadongestützten Behandlungen in der Schweiz, fassen ihre Standorte in einem Zentrum nahe des Hauptbahnhofs zusammen – Chefarzt Philip Bruggmann spricht über die Fort- und Rückschritte in der Drogenpolitik.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/versorgungspraxis/international/3460-schweiz-zuerich-arud-zusammenlegung-aller-zentren-unter-einem-dach-sind-wir-effizienter
 
Metaanalyse gibt Entwarnung: Doch nicht mehr Leberkrebs nach Hepatitis-C-Therapien mit neuen direkten antiviralen WirkstoffenErhöht die Heilung der Hepatitis C durch direkt antiviral wirkende Substanzen (DAA) das Risiko der Entstehung bzw. des Wiederauftretens von Leberkrebs? Einige wenige Studien hatten darauf hingedeutet, dass dieses Risiko unter DAAs höher ist als unter einer Interferon-Therapie. Doch nun scheint es Entwarnung zu geben, berichtet deutsch.medscape.com. Eine große Metaanalyse (Waziry R, et al; PS-160) und weitere aktuelle Studiendaten, die auf dem Internationalen Leberkongress in Amsterdam (ILC) vorgestellt wurden, bestätigen, dass das Risiko nicht aufgrund der DAAs erhöht ist, sondern wohl andere Faktoren wie Alter und fortgeschrittenes Stadium der Lebererkrankung verantwortlich sind.
http://www.forum-substitutionspraxis.de/begleitkrankheiten/hepatitiden/3399-metaanalyse-gibt-entwarnung-doch-nicht-mehr-leberkrebs-nach-hepatitis-c-therapien-mit-neuen-direkten-antiviralen-wirkstoffen
 
Opioid substitution treatment explained -  ein Video der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (2016, 02:07).
http://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/verschiedenes/3069-opioid-substitution-treatment-explained-video
 
Zum Schluss noch eine eigene Meldung: Aktuell sind Polamidon-Tabletten nicht lieferbar. Z51.83G – Forum Substitutionspraxis hat den Hersteller Sanofi gefragt, ab wann Patienten wieder ihr Medikament erhalten können. „Wir bedauern sehr, dass L-Polamidon Tabletten aktuell aufgrund von betriebsbedingten Verzögerungen in der Produktionsstätte nicht lieferbar sind. Seien Sie versichert, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, den Lieferengpass schnellstmöglich zu beheben. Wir sind zuversichtlich, dass wir L-Polamidon Tabletten kurzfristig wieder ausliefern können werden“, heißt es in der Stellungnahme der Firma. Einen genauen Zeitpunkt vermochte Sanofi nicht zu nennen.
Viel Spaß beim Lesen und empfehlen Sie uns weiter. Die nächste Ausgabe erscheint am zweiten Mittwoch im Juni, also am 14.06.2017.
 
Hans-Günter Meyer-Thompson
- Redakteur -
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